weitere verhaltensbezogene Süchte


Sportsucht (exzessives Sporttreiben)

Pathologisches, zwanghaftes Sporttreiben ohne Wettkampfambition, das das Leben der Betroffenen beherrscht und nicht als normale Sportbegeisterung gilt.

Quelle: Gesundheit.GV.at

Intensive körperliche Aktivität führt zur Ausschüttung körpereigener Endorphine („Runner’s High“), die wie ein Rausch empfunden werden. Mit zunehmender Toleranz steigert sich das Trainingspensum, um das gleiche Wohlgefühl zu erreichen. 

Quelle: Gesundheit.GV.at

  • Ignorieren von Verletzungswarnsignalen (z. B. Überlastungsbrüche, Muskelrisse)
  • Starke Erschöpfung, Schwächung des Immunsystems
  • Muskel- und Sehnenschäden durch Dauerbelastung 

     Quelle: Gesundheit.GV.at

  • Chronische Gelenk- und Bandschäden
  • Osteoporose,
  • wiederkehrende Entzündungen und dauerhaft geschwächtes Immunsystem

  • Innerer Zwang zu trainieren
  • Vernachlässigung sozialer Kontakte und Hobbys
  • Training trotz Krankheit oder Verletzung

    Quelle: Gesundheit.GV.at

Psychologische Beratung (z. B. Sportpsychologen), Verhaltenstherapie und schrittweiser Trainingsaufbau unter fachlicher Anleitung.

Kaufsucht

Der Fachausdruck für Kaufsucht lautet „Oniomanie” und ist vom altgriechischen Begriff „onios” abgeleitet, was „zu verkaufen” bedeutet. Hinter dem pathologischen Kaufen steckt eine Sucht mit vergleichbaren Symptomen und Folgen einer substanzgebundenen Abhängigkeit. Allerdings ist Kaufsucht ebenso wie Arbeitssucht nicht eindeutig klassifiziert: In der Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-10, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegeben wird, ist sie nicht aufgeführt. Oft wird sie daher als Störung der Impulskontrolle diagnostiziert – substanzungebundene Abhängigkeiten gibt es im weltweit anerkannten Klassifikationsrahmen ICD-10 nicht.

Bei einer Kaufsucht geben nicht die Einnahme von Rauschmitteln wie Alkohol, Nikotin oder anderen Drogen den „Kick”. Der Kauf an sich füttert das Belohnungszentrum im Gehirn. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die neue Technik, die modische Kleidung oder die trendigen Möbelstücke wirklich braucht: Die Produkte bleiben nach dem Kauf oft verpackt und werden versteckt, landen im Müll oder werden zurückgeschickt. Manchmal finden Kaufsüchtige nach einiger Zeit Dinge, von denen sie nicht mehr wissen, dass sie diese Sachen besitzen. Im Extremfall entwickeln Kaufsüchtige das Messie-Syndrom.

Quelle: IKK Classic
 

Der Kaufakt löst kurzfristig ein Gefühl von Erregung und Erleichterung aus. Dieser impulsive Drang lässt sich nicht durch Willensanstrengung unterdrücken.

Quelle: IKK classic

  • Unerwartete Kosten
  • Überschreitung finanzieller Limits
  • starke Schuld- und Schamgefühle unmittelbar nach dem Kauf.

    Quelle: IKK classic

  • Überschuldung
  • Insolvenz
  • sozialer Rückzug
  • mögliche Straftaten (z. B. Diebstahl) zur Befriedigung des Kaufdrangs
  • Depressionen
  • Entzugserscheinungen

    Quelle: IKK classic

Entscheidend ist bei einer Kaufsucht nicht, wie viel jemand kauft, sondern wie sehr das Verhalten belastet und den Alltag einschränkt. Typische Anzeichen sind:

  • Häufige, kaum kontrollierbare Impulse, etwas zu kaufen
  • Einkäufe, die nichts mit tatsächlichem Bedarf zu tun haben
  • Frust, Schuldgefühle oder Stress nach dem Kauf
  • Verheimlichen von Ausgaben oder Schulden
  • Konflikte mit Familie, Freundinnen und Freunden wegen des Gelds

    Quelle: Mobil Krankenkasse

Kognitive Verhaltenstherapie, Selbsthilfegruppen (z. B. „Shopaholics Anonymous“), Beratung über das Suchthilfeverzeichnis der DHS

Wer merkt, dass das Einkaufen zur Belastung wird, kann zunächst versuchen, wieder bewusster damit umzugehen. Kleine Veränderungen helfen oft schon:

  1. Käufe aufschieben: Warten Sie einen Tag, bevor Sie etwas bestellen oder bezahlen. Oft verschwindet der Impuls von selbst.
  2. Auslöser erkennen: Achten Sie darauf, in welchen Situationen das Bedürfnis besonders stark ist – zum Beispiel bei Stress, Frust oder Langeweile.
  3. Budget festlegen: Planen Sie feste Ausgabenlimits für Freizeit- oder Online-Einkäufe ein. So behalten Sie den Überblick.
  4. Verführungen reduzieren: Melden Sie sich von Werbe-Newslettern ab, löschen Sie Shopping-Apps und speichern Sie Zahlungsdaten nicht dauerhaft.
  5. Ersatzstrategien finden: Überlegen Sie, was sonst helfen kann, wenn der Drang zum Kaufen aufkommt – etwa ein kurzer Spaziergang, Musik hören oder ein Gespräch mit Freundinnen und Freunden.

    Quelle. Mobil Krankenkasse

Essstörungen

Essstörungen sind psychische Erkrankungen mit extrem gestörtem Essverhalten und andauernder Beschäftigung mit Essen und Körpergewicht. Zu den Hauptformen zählen:

MAGERSUCHT (ANOREXIA NERVOSA)
Hauptmerkmal einer Magersucht ist der absichtlich selbst herbeigeführte Gewichtsverlust. Um dies zu erreichen, halten „Magersüchtige“ strenge Diät (Vermeiden bestimmter „verbotener“ Nahrungsmittel, Auslassen von Mahlzeiten) und treiben häufig sehr viel Sport (bis zu mehreren Stunden täglich).Die Betroffenen führen einen ständigen Kampf gegen den Hunger und beschäftigen sich intensiv mit allen Themen rund ums Essen, denken fast ausschließlich ans Essen. Folge dieses Essverhaltens ist ein starker Gewichtsverlust, der sich ab einem gewissen Punkt nicht mehr stoppen lässt, sondern letztendlich zur Sucht wird.

ESS-BRECH-SUCHT (BULIMIA NERVOSA)
Bulimie kommt wie auch die Magersucht größtenteils bei Mädchen und Frauen vor. 3% der Frauen zwischen 20 und 40 Jahren sind betroffen.

Das charakteristische Merkmal dieser Erkrankung sind die Heißhungerattacken und die darauf folgenden Essanfälle (sog. Fressattacken). Dabei werden oft sehr große Mengen unterschiedlichster Nahrungsmittel in sehr kurzer Zeit gegessen. Nach einem solchen Anfall kommt die panische Angst vor einer Gewichtszunahme. Deshalb wird mittels Erbrechen, Hungern, Medikamenten (Appetitzügler, Abführmittel, Wassertabletten) oder Sport versucht die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden. Das Gewicht bleibt dadurch meist im normalen Bereich (im Gegensatz zur Magersucht).

BINGE-EATING-DISORDER
Etwa 17% der Bevölkerung haben starkes Übergewicht. Man bezeichnet dies auch als Adipositas oder Fettleibigkeit. Adipositas liegt vor, wenn das Idealgewicht um 30% überschritten wird (BMI>30). Laut Schätzungen sollen zwischen 10-50% der stark Übergewichtigen unter einer Binge-Eating-Disorder leiden, wobei Männer und Frauen gleich häufig betroffen sein sollen.

Bei der Binge-Eating-Disorder essen die Betroffenen große Mengen von Nahrungsmitteln innerhalb einer kurzen Zeit. Die Esssüchtigen verlieren dabei die Kontrolle über das Essen und nehmen wesentlich mehr Kalorien auf, als der Körper benötigt. Im Unterschied zur Bulimie werden keine gegenregulierenden Maßnahmen wie Erbrechen, Sport oder Abführmittel angewendet. Dadurch nehmen die Betroffen meist stark an Gewicht zu. Aus Scham finden die „Fressattacken“ meist allein statt, häufig auch wenn gar kein Hunger besteht, beispielsweise um andere Emotionen „wegzudrücken“.

Quelle: Uniklinikum Dresden

Starke Kontrolle (Magersucht) oder Kontrollverlust (Binge-Eating) beim Essen, beides gekoppelt mit einem starken emotionalen/psychischen Leidensdruck und häufig begleitet von Dopamin-Gehirnaktivierung durch Erfolgskontrolle oder Ess-Rausch.

Anorexia nervosa:

  • Haut und Haare werden trocken und brüchig. Die Haare können sogar ausfallen.
  • Die Körpertemperatur von Magersüchtigen ist niedriger als bei Normalgewichtigen und die Betroffen frieren sehr häufig, weil ihnen wärmespeicherndes Körperfett fehlt.
  • Tritt die Magersucht in der Jugendzeit auf,  kann es zum Wachstumsstopp kommen. Auch die Gehirn- und Brustentwicklung kann auf Grund fehlender Nährstoffe beeinträchtigt sein.
  • Bei Frauen bleibt oft die Monatsblutung (Menstruation) aus. Auch die Lust auf Sexualität geht verloren. Männer können unter Impotenz leiden.
  • Durch die verminderte Kalziumaufnahme und hormonelle Störungen nimmt die Knochendichte ab. So kann man sich beispielsweise schon bei einem leichten Sturz eine Knochenbruch zuziehen.
  • Häufiges Erbrechen und/oder eine regelmäßige Anwendung von Abführmitteln führt zu Elektrolytveränderungen. Diese können  Wassereinlagerungen (Ödeme) und auch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen.
  • Durch das Erbrechen des sauren Magensaftes wird der Zahnschmelz angegriffen und die Zähne werden anfällig für Karies.
  • Das Blutbild und der Schilddrüsenhormonhaushalt weisen verschiedene Störungen auf.
  • Ungefähr 15% der Betroffenen sterben an den Folgen der Magersucht.

Bulimia nervosa: Ess-Brechsucht

  • Haut und Haare werden trocken und brüchig. Die Haare können sogar ausfallen.
  • Bei Frauen bleibt oft die Monatsblutung (Menstruation) aus.
  • Durch das Erbrechen des sauren Magensaftes wird der Zahnschmelz angegriffen und die Zähne werden anfällig für Karies.
  • Die Ohrspeicheldrüsen können anschwellen und sich entzünden („Hamstergesicht“).
  • Der saure, erbrochene Speisebrei kann zu Entzündungen der Speiseröhre führen (Sodbrennen).
  • Durch die große Menge aufgenommener Nahrung und dem Druck beim Erbrechen können Risse in der Magenschleimhaut oder Schleimhaut der Speiseröhre entstehen.
  • Regelmäßiger Gebrauch von Abführmitteln kann zu Darmlähmungen bis hin zum Darmverschluss führen.
  • Beim Erbrechen gehen wichtige Mineralien verloren. Es kommt zu Störungen im Elektrolythaushalt, welche lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen können.
  • Das Blutbild verändert sich.
  • Etwa 10% der Betroffenen sterben an den Folgen der Bulimie.

Binge-Eating-Störung: 

  • Übergewicht fördert die Entstehung von Bluthochdruck. Dies und die vermehrte Einlagerung von Blutfetten in  Blutgefäße erhöhen das Risiko für Embolien, Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Es können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Fettstoffwechselerkrankungen entstehen.
  • Das Risiko für die Entstehung von Gallensteinen ist erhöht.
  • Gelenke und Wirbelsäule werden durch das hohe Gewicht stark belastet und können „verschleißen“ (Arthrose).
  • Hormonstörungen bewirken Menstruationsunregelmäßigkeiten.
  • Bei starker Adipositas steigt das Risiko für bestimmte Krebsarten wie zum Beispiel Brustkrebs, Prostatakrebs oder Darmkrebs.
  • Adipöse Menschen werden häufig benachteiligt und ausgegrenzt. So haben sie es beispielsweise schwerer, eine Arbeitsstelle oder einen Partner zu finden. Es herrschen viele Vorurteile: Übergewichtige seien faul und können sich nicht „zusammenreißen“.
  • Leistungsfähigkeit und Lebensqualität nehmen durch starkes Übergewicht ab.
  • Stark übergewichtige Menschen sterben früher.

    Quelle: Uniklinikum Dresden

  • Osteoporose,
  • Unfruchtbarkeit
  • chronische Herz-Nieren-Leber-Schäden
  • psychische Komorbidität (Depression, Angststörungen)
  • erhöhte Sterblichkeit (v. a. bei Anorexie).

    Quelle: Uniklinikum Dresden

Die Symptome einer Essstörung sind nicht immer leicht zu erkennen. Viele Betroffene verheimlichen ihr Verhalten aus Angst, Scham oder weil sie selbst das Ausmaß noch nicht wahrnehmen.

Nicht jede Person, die gelegentlich zu viel isst, leidet an einer Essstörung. Ebenso ist nicht jede Gewichtsabnahme im Rahmen einer Diät gleichzusetzen mit Magersucht. Dennoch können solche Verhaltensweisen – insbesondere, wenn sie mit emotionaler Belastung, Selbstzweifeln oder weiteren Risikofaktoren einhergehen – erste Anzeichen einer sich entwickelnden Essstörung sein. Der Übergang von scheinbar harmlosen Mustern zu einem krankhaften Essverhalten verläuft dabei oft schleichend und bleibt lange unbemerkt.

Es gibt jedoch Warnsignale, auf die Sie achten können:

Körperliche Symptome:

  • Deutliche Gewichtsveränderungen (Gewichtsverlust oder -zunahme)
  • Kreislaufprobleme, häufiges Frieren, Haarausfall
  • Magen-Darm-Beschwerden

Verhaltensveränderungen:

  • Strenge Diätregeln, Kalorienzählen, extremes Sportverhalten
  • Rückzug aus sozialen Aktivitäten, besonders bei Mahlzeiten
  • Heimliches Essen oder plötzliche Toilettengänge nach dem Essen

Psychische Anzeichen:

  • Geringes Selbstwertgefühl, starke Selbstkritik
  • Übermäßige Angst vor Gewichtszunahme
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen

Quelle: KKH Leben

 

Die gute Nachricht: Essstörungen sind behandelbar. Wichtig ist jedoch, dass Betroffene professionelle Hilfe erhalten – je früher, desto besser.

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Psychotherapie: Essstörungen sind psychische Erkrankungen, weshalb eine Psychotherapie essenziell für eine Behandlung ist. In Einzel- oder Gruppensettings wird das gestörte Essverhalten sowie das zugrundeliegende emotionale Erleben bearbeitet.
  • Ernährungsberatung: Ziel ist ein gesundes Essverhalten, ohne Verbote oder Zwang. Zudem ist es wichtig, das Verständnis für gesundes Essen wiederherzustellen.
  • Medizinische Begleitung: Bei starken körperlichen Symptomen kann auch eine stationäre Behandlung nötig sein.
  • Familientherapie: Besonders bei Jugendlichen hilft es, das familiäre Umfeld in den Prozess einzubeziehen.
  • Wohngruppe: In Wohngruppen treffen Betroffene in einem Schutzraum auf andere Erkrankte. Hier wird durch Fachkräfte der Alltag tagtäglich begleitet und unterstützt.
  • Nachsorge: Durch eine langfristige Nachbetreuung von Erkrankten mit einer Essstörung wird der Therapieerfolg gefestigt und vor Rückfällen präventiv geschützt.
  • Zwangsbehandlung: In Ausnahmefällen ist eine Zwangsbehandlung nötig, wenn akute Lebensgefahr besteht.

Quelle: KKH Leben

Messie-Syndrom (Hoarding Disorder)

Personen mit Messie-Syndrom fällt es dauerhaft so schwer, sich von Dingen zu trennen oder sie zu entsorgen, dass sich die Gegenstände ansammeln und den Wohnraum so sehr zustellen, dass er nicht mehr nutzbar ist.

Quelle: MSD Manual

Starke emotionale Bindung an Objekte und Angst vor Verlust oder künftiger Knappheit führen zum zwanghaften Ansammeln. Wegwerfen löst Panik oder Schuldgefühle aus.

Quelle: MSD Manual

  • Sturz- und Brandschutzgefahr in überfüllten Räumen
  • hygienische Probleme
  • Allergien
  • eingeschränkter Zugang zu lebensnotwendigen Bereichen (Küche, Bad).
  • Ungezieferbefall

Quelle: MSD Manual

  • Soziale Isolation
  • Wohnungsverlust
  • finanzielle Not
  • psychische Komorbiditäten (Depression, Angststörungen)

Quelle: MSD Manual

  • Unkontrollierte Anhäufung
  • extreme Unordnung
  • Unfähigkeit Gegenstände zu entsorgen
  • massive Beeinträchtigung der Wohnnutzung
  • Probleme mit Zeiteinteilung und Pünktlichkeit
  • Versäumen/Nichterledigen normaler sozialer Verpflichtung

Quelle: MSD Manual

  • Spezialisierte Organisationstrainings (z. B. HERA der Caritas)
  • kognitive Verhaltenstherapie
  • soziale und rechtliche Unterstützung zur Wiederherstellung bewohnbarer Verhältnisse
  • Haushaltshilfe
  • Coachings
  • Psychotherapie
  • Medikamentöse Therapie

Quelle: MSD Manual